Schulschließungen und Corona-Krise auch im Himalaya

In einem ganz normalen Jahr gehen die Schülerinnen und Schüler in der nordindischen Himalaya-Region Ladakh am März wieder in die Schule. Dafür reisen sie in mehreren Tagesmärschen durch den Schnee zu Fuß oder mit einem Bus in größere Dörfer, die mit Schulen und Internaten ausgestattet sind. In den strengen Wintern bleiben auf 4000 Metern Höhe die Schulen bei Temperaturen bis -30 Grad Celsius geschlossen. Gleichzeitig müssen natürlich auch die Lehrerinnen und Lehrer ihre Schulstandorte aufsuchen, um ihren Dienst wieder anzutreten. Die Lehrer wurden wegen eines versperrten Passes in diesem Jahr sogar mit einem Hubschrauber eingeflogen. So passierte es in der Schule in Lingshed, dem Hauptdorf der Projektregion des Meininger Himalayahilfsvereins „Ladakhpartners Local Doctors e.V.“. Der Vereinsvorsitzende Maik Wieczorrek steht im ständigen Kontakt mit dortigem Landrat der Region, Sonam Dorjay. Nachdem nun alle rund 90 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer ihre Quartiere im 400 Einwohner Dorf bezogen hatten, wurde die Schule und das Internat wieder geschlossen. Der Grund: die Corona Pandemie!

„Kinder und auch die Lehrer mussten aber irgendwo unter kommen, da sich ja alle weit entfernt von ihren Heimatdörfern aufhielten, war das eine sehr schwierige Situation für alle“, erfuhr Maik Wieczorrek vom Landrat. Damit die Kinder gefahrlos in ihre Dörfer gelangen konnten, wurde versucht, sie mit Hubschraubern an geeignete Plätze zu fliegen. Die Transporte wurden aber nicht von der indischen Regierung genehmigt. Einzige Möglichkeit war nun die Schülerinnen und Schüler mit kleinen Bussen bis zum Teil der Straße zu bringen, die noch passierbar war. „Die Kosten pro Kind in Höhe von 5,00 Euro hat unser Grazer Partnerhilfsverein „Friends of Lingshed“ aus Österreich übernommen. Trotzdem mussten die Kinder noch durch bis zu einem Meter hohen Schnee laufen, um ihre abgelegenen Dörfer zu erreichen. Immer der Gefahr von Lawinen und der Kälte ausgesetzt“, berichtet der Initiator des Meininger Hilfsvereins. Zum Glück erreichten alle Kinder und Lehrer wohlbehalten ihre Dörfer. Das ist in der Bergregion zwischen 4000 und 5000 Metern nicht die Regel, da in jedem Winter Schulkinder auf dem Weg von oder zur Schule verunglücken, nicht selten tödlich.

In ganz Indien gilt derzeit eine allgemeine Ausgangssperre. „Damit hat sich auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln in der Region extrem verschlechtert. An Schutzmaßnahmen mangelt es, eine Intensivversorgung wie in entwickelten, westlichen Staaten ist völlig unmöglich. Auch die Aufklärung über die Folgen einer Infektion ist sehr schwierig, in den Dörfern gibt es keine Möglichkeiten der allgemeinen Kommunikation. Wir stehen trotzdem im Kontakt um notfalls irgendwie helfen zu können“, erzählt der Meininger Zahnarzt. „Unglaublich, dass ein Virus fähig ist, die Welt anzuhalten. Genau so können wir aber mit kleinen Projekten, in entlegenen Regionen, eine große Wirkung entfalten und sehr hilfreich sein. Gerade jetzt ist es sehr wichtig, dass wir die Arbeit der Naturärzte, sie werden dort Amchis genannt, in den Dörfern der Region unterstützen. In diesem Sinne bedanken wir uns herzlichen für die Unterstützung, die unsere Arbeit am Laufen hält“.

Der Verein unterstützt derzeit den Bau eines Gemeindehauses mit rund 4000 Euro in Lingshed. Auf dem diesjährigen Reiseprogramm standen außerdem wieder die zahnmedizinische Behandlung der Bewohner in insgesamt sieben Dörfern, sowie die Verbesserung der vorhandenen Photovoltaikanlagen und Stromspeicher in der Klinik in Lingshed. Ob eine Reise in diesem Jahr stattfinden kann ist äußerst fraglich, denn in Indien sind alle Hotels bis 15. Oktober 2020 geschlossen.