Meininger Hilfsaktionen im Kaschmir-Konfliktgebiet

Während einer Mitgliederversammlung am 18. Januar 2020 zog der Meininger „Ladakhpartners Local Doctors e.V.“ eine Bilanz seiner Vereinsarbeit im vergangenen Jahr und legt die Ziele für 2020 fest. Vor einem Jahr feierte der Verein mit seinen 56 Mitgliedern das fünfzehnjährige Jubiläum seiner erfolgreichen Hilfsaktionen im Himalaya. Dafür reisten im Frühjahr 2019 sogar vier Ladakhis eigens nach Meiningen. Außerdem konnte eine Vierer-Gruppe im August 2019 in die Region reisen, um diesmal einen 19 Kilo schweren Zahnbehandlungsstuhl mit in das Dorf Lingshed zu nehmen. Im Sommer 2019 wütete der Kaschmir-Konflikt heftig in der Region. Die gesamte Gruppe kam aber ohne gesundheitliche Beschwerden zurück und konnte in mehreren Dörfern wieder Zahnbehandlungen durchführen. Doch die Lage ist im Einsatzgebiet weiter angespannt, berichtete der Vereinsvorsitzende Maik Wieczorrek den Mitgliedern.

„Die politische Lage im Einsatzgebiet Ladakh, im nordindischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir, hat sich durch den schwellenden Kaschmir-Konflikt leider sehr verschlechtert. Die indische Regierung hat dem Bundesstaat den Autonomiestatus entzogen. Der Bundesstaat soll außerdem zweigeteilt werden: in einen mehrheitlich muslimischen Teil (Jammu und Kaschmir) und einen mehrheitlich buddhistischen Teil (Ladakh). Welche Folgen die Veränderungen in Ladakh auf unsere zukünftigen Hilfsaktionen hat, bleibt abzuwarten.“, so der Meininger Zahnarzt.

Auf der Tagesordnung standen zwei spannende Vorträge zur Hilfsaktion 2019 von Dr. Ewen Nippel sowie zum Versuch buddhistisches Kulturgut zu retten. Bei einem Besuch im Dorf Dibling wurde Maik Wieczorrek auf eine Ghompa aufmerksam gemacht. In dem buddhistischen Gebetshaus befinden sich kulturhistorisch wertvolle Thankas (religiöse Rollbilder) die dem Verfall preisgegeben sind.

Der Vereinsvorsitzende konnte die Restauratorin Birgit Jünger aus Hümpfershausen von den Rollenbildern begeistern. Sie sah sich die Originale vor Ort selbst an, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Die Restauratorin berichtete zur Mitgliederversammlung über die verschiedenen Möglichkeiten, die insgesamt 47 Thankas zu restaurieren und damit zu retten. „In dem Gebäude ist außerdem das Dach nicht dicht, sodass die handbemalten Rollenbilder weiter Schaden nehmen. Die Thanka’s müssen vor Ort restauriert werden, denn schon ein Transport wäre mit möglichen Schädigungen verbunden. Wichtig ist zudem die zukünftige Aufbewahrung“, so die Restauratorin. Schlussendlich soll an einem Beispielbild die Aufarbeitung zur Probe erfolgen, um festzustellen, welchen Arbeits- und Materialumfang eine Restauration überhaupt in Anspruch nimmt.

Der Verein selbst unterstützt derzeit den Bau eines Gemeindehauses mit rund 4000 Euro in Lingshed. Das Dorf ist das Hauptdorf mit einem Kloster, einer Schule und rund 400 Einwohnern auf 4000 Metern Höhe. „Ein entsprechendes Gebäude gab es bislang noch nicht im Ort, so wurden große Versammlungen und Feste meist im Freien durchgeführt. Unsere Hilfe betrifft vor allem die elektrische Ausstattung, die die Energie der Sonne in alle Räume und Herzen bringen soll.“, freut sich Maik Wieczorrek.

Auf dem diesjährigen Reiseprogramm steht erneut die zahnmedizinische Behandlung der Bewohner in insgesamt sieben Dörfern sowie die Verbesserung der vorhandenen Photovoltaikanlangen und Stromspeicher in der Klinik in Lingshed. Ins Gepäck kommen natürlich wieder Zahnbürsten für die Kinder der Schule in Lingshed.