Friedensschulen für Afghanistan

Wenn man in Deutschland über Afghanistan redet, dann denken die Allermeisten zuerst an Krieg, Taliban und Al Kaida. Doch wer berichtet eigentlich über die Menschen in Afghanistan, ihre Geschichte oder Kultur? Dieser Tage erzählten auf Einladung des Vereins Ladakhpartners-Partnership Local Doctors e.V. in der Meininger Volkshoch- schule Dr. Reinhard Erös und seine Frau Anette über das Land. Sie sind Initiatoren einer Familieninitiative, aus der mittlerweile das Projekt Kinderhilfe Afghanistan entstanden ist.

Reinhard Erös berichtete über Geschichte und Landschaft – „es gibt dort Wüsten mit 45 Grad im Schatten, den es aber gar nicht gibt, weil dort keine Bäume wachsen, und Berglandschaften, in denen es bis zu Minus 45 Grad kalt wird“. Hintergrundwissen aus erster Hand natürlich auch von Menschen und Kultur. Obwohl Erös seit über 30 Jahren zuerst vorrangig als Arzt, dann im Bildungsbereich in Afghanistan tätig ist, sagt er selbst: „Du brauchst mindestens fünf Jahre, um diese Land zu verstehen, dann kannst Du wenigstens die Überschriften lesen. Ich selbst kann jetzt schon die zweite Überschrift lesen, aber den Text verstehe ich immer noch nicht ganz.“ Eine ganz wichtige Botschaft, wenn man nachhaltige Projektarbeit leisten will. Ohne sein Herz in Richtung der Einheimischen, mit denen man zusammenarbeiten will, weit zu öffnen, kommt man nicht weit, wird am Ende enttäuscht und das, obwohl man eigentlich etwas Gutes tun wollte. Doch das braucht neben Geld vor allem viel persönliches Engagement und eine gehörige Portion Idealismus.


Erös2Als der Bundeswehrarzt Erös 1985 erfuhr, dass es in Afghanistan auf dem Lande damals einen Arzt für 250 000 Menschen gab und die Kindersterblichkeit bei 46 Prozent lag, war ihm klar, dass Reden da nicht viel nützt, man musste etwas tun. So lies er sich beurlauben und zog mit seiner Frau und seinen Kindern nach Peschawar, einer Stadt in Nord-Westpakistan nahe der afghanischen Grenze. Dort begann er, Laien in ein- fachen medizinischen Dingen zu unterrichten, damit sie wenigstens ein klein wenig helfen konnten. Afghanistan selbst war damals im Krieg. Während er zusammen mit den Einheimischen versuchte, in den Dörfern die Dorfbevölkerung und verwundete Kämpfer zu versorgen, gründete seine Frau in Pakistan eine Schule. Über diese Zeit berichtet das Buch „Tee mit dem Teufel“.

Nach vier Jahren kehrte die Familie wieder zurück nach Deutschland. Als die Bundeswehr in Afghanistan einmarschierte, quittierte Erös seinen Dienst bei der Bundeswehr, gründete die Kinderhilfe-Afghanistan, weil er an die Menschen dort glaubte und der Meinung war, dass Schulen in Afghanistan wichtiger seinen als Soldaten mit Gewehren. Die Soldaten jedoch sind abgezogen, ohne auch nur eine einzige Schule gebaut zu haben.

Mittlerweile sind es 29 Schulen, in denen 60 000 Kinder unterrichtet und 1400 Lehrer beschäftigt werden. Dazu kommen Kindergärten, Gesundheitsbasisstationen, Berufsschulen, Waisenhäuser und Werkstätten. Am 3. Oktober 2014 wurde die erste Universität in Ostafghanistan in Laghman eröffnet. In der Summe ist es fast unglaub- lich, was durch die Initiative einer Familie möglich ist. Mehr Infos unter: www.kinderhilfeafghanistan.de