Drei Wochen lang war wieder ein Zahnärzteteam um den Meininger Initiator Maik Wieczorrek im Himalaya unterwegs, um Dorfbewohner in der nordindischen Region Ladakh zahnmedizinisch zu behandeln. In den 4000 Meter hoch gelegenen Dörfern Ladakhs gibt es keine Zahnärzte. Die Bewohner sind auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Mit dabei war diesmal auch eine junge Zahnärztin aus Jena sowie drei Zahnärztinnen aus Zittau.
Gestartet war das zehnköpfige Helferteam in Frankfurt/Main über Neu Delhi nach Leh. Die Stadt mit Landebahn bereits liegt auf 3500 Metern Höhe. Nach vier Tagen Höhenanpassung ging es weiter in Richtung Lingshed. Einen Tag dauerte die Fahrt über Schotterpisten und 5000 Meter hohe Pässe in das 800 Einwohnerdorf Lingshed. Seit über 20 Jahren kümmert sich der Meininger um die Zahngesundheit der Bergbewohner. Mitgebracht hat er in diesem Jahr eine transportable Zahnarzteinheit.

„Das Gerät mit Absaug- und Bohreinrichtung mussten wir vor zwei Jahren mit nach Meiningen nehmen, weil aufgrund starker Stromschwankungen die Elektronik ausgefallen war. Außerdem haben wir diesmal eine LED-Leuchte für den Patientenstuhl mitgenommen“, sagt der Meininger Zahnarzt.
Kaum war die Praxis provisorisch aufgebaut, kamen die ersten Patienten. Nach der buddhistischen Zeremonie ging es los. Für die 25-jährige Rebecca Kretzschmar war das eine Premiere. Sie hat in Jena Zahnmedizin studiert und absolviert gerade in Weimar ihre Assistenzzeit. Es war ihr erster ehrenamtlicher Auslandseinsatz.

„Das ist einfach schon anders als zu Hause, wo alles in den Schubladen gut sortiert ist. Hier liegt alles auf einem Tisch. Die Zahnarzteinheit ist zwar gut ausgestattet, aber eben doch nicht vergleichbar mit einer deutschen Praxisausstattung“, erzählt die junge Frau.
Der nächste Zahnarzt ist eine Tagesfahrt entfernt. Fahrt und Zahnarzt müssen bezahlt werden. Unmöglich für die armen Bergbauern. Viele haben Schmerzen, fehlende Zähne und Karies. „Die größten Baustellen haben wir irgendwie beseitigt, versucht das zu retten, was noch zu retten ist“, bilanziert Rebecca Kretzschmar.
Vor allem die Kinder liegen dem Zahnärzteteam am Herzen. In der Schule des Dorfes wurden alle 60 Schüler untersucht und behandelt. Außerdem Zahnbürsten und Zahnpasta verteilt und das Zähneputzen geübt. Denn die meisten Kinder essen zu viel Zucker. Der kommt wegen der Straßen jetzt auch aus den Städten als Bonbons oder wie traditionell als Fruchtzucker in getrockneten Früchten. Maik Wieczorrek ist enttäuscht über den schlechten Zustand der Zähne.

„Wir haben das Gefühl, dass sich durch unsere Abwesenheit in den letzten Jahren auch wegen Corona weniger Kinder und Erwachsene die Zähne putzen“, mutmaßt der Zahnarzt mit Praxis in Wasungen.
Er will sich aber nicht entmutigen lassen und spätestens in zwei Jahren wieder nach Ladakh reisen. Gesucht werden weitere Zahnmediziner, um in der Region in Zukunft zu helfen.